Tschechien ist nicht nur Prag und Burgen – das Land hat auch drei große Nationalparks mit Gletscherseen, uralten Urwäldern, Wasserfällen und Felsenstädten. Dieser Ratgeber ist für alle, die der Stadt für einen oder zwei Tage entfliehen möchten: Die Routen eignen sich für Familien mit Kindern ebenso wie für ambitionierte Wanderer, die stundenlang auf Bergpfaden unterwegs sein wollen. Im Folgenden finden Sie neun bewährte Orte im Böhmerwald (Šumava), im Riesengebirge (Krkonoše) und in der Böhmischen Schweiz (České Švýcarsko) – mit Adressen, Orientierungspunkten und praktischen Hinweisen.
Einer von fünf großen Gletscherseen im südlichen Böhmerwald, am Fuß des Plöckensteins (Plechý) – des höchsten Gipfels auf der tschechischen Seite des Gebirges. Der ellipsenförmige Gletschersee liegt am Hang des Plöckensteins (1.378 m), des höchsten Punkts des tschechischen Böhmerwalds, und ist 260 Meter lang und 90 Meter breit. Der Weg zum See beginnt im Dorf Jelení Vrchy, wo Sie Ihr Auto auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz abstellen können (100 CZK in der Saison, 80 CZK außerhalb der Saison); von dort folgt ein leichter Weg dem alten Schwarzenbergischen Schwemmkanal, und die gesamte Runde um den See ist etwa 3,5 km lang.
Nahe dem Dorf Zátoň (Bezirk Prachatice) liegt einer der ältesten Urwälder Europas. Das Reservat befindet sich 3,5 km nordöstlich von Zátoň und wurde bereits 1858 unter Schutz gestellt – damit ist es das drittälteste Naturschutzgebiet in den böhmischen Ländern; es umfasst 666,41 Hektar. Der Kern des Waldes ist eingezäunt und für Besucher gesperrt, doch seit dem 29. Juni 2023 können Sie über einen Bohlenweg mit kleiner Brücke wieder bis an den Teich heran. In der Nähe steht ein Aussichtsturm auf dem Gipfel des Boubín – der Eintritt zum Turm und in das Waldgebiet ist frei, und der 21 Meter hohe Turm hat 109 Stufen.
Die romantische Schlucht der Widra (Vydra) zwischen den Siedlungen Antýgl und Čeňkova Pila gilt als Wahrzeichen des südlichen Böhmerwalds. Povydří ist ein geschütztes Naturdenkmal und liegt zugleich in der ersten Schutzzone des Nationalparks Böhmerwald, zwischen den Orten Srní und Horská Kvilda. Bekannt ist es für seinen Lehrpfad, der von Antýgl durch den Canyon der Widra nach Čeňkova Pila führt und für sein felsiges Flussbett berühmt ist – dieser Abschnitt des Böhmerwalds gilt als der schönste und romantischste. Der Weg ist leicht und sogar mit Kinderwagen machbar.
Die beiden bekanntesten Gletscherseen des nördlichen Böhmerwalds liegen oberhalb der Stadt Železná Ruda. Vom Sattel Špičácké sedlo, 5 km von Železná Ruda entfernt, führt ein leichter Weg zum fast 40 Meter tiefen Schwarzen See – seine dunkle Farbe kommt von Nadelbaumpollen, die sich am Grund abgesetzt haben. Das Gebiet liegt in einem Naturschutzgebiet: Das Reservat Schwarzer See und Teufelssee befindet sich in einem unberührten Teil des Böhmerwalds und gehört zu den meistbesuchten Zielen des ganzen Gebirges.
Der höchste Berg Tschechiens und das Symbol des Nationalparks Riesengebirge. Mit 1.602 m ist die Schneekoppe der höchste Gipfel des Landes und bietet Panoramablicke über Tschechien und das benachbarte Polen. Der Gipfel ist kahl und felsig; hier stehen eine polnische Hütte mit Wetterstation, ein tschechisches Postamt mit Imbiss und die runde Laurentiuskapelle (kaple sv. Vavřince) von 1681. Der landschaftlich schönste und anspruchsvollste Aufstieg führt durch den Riesengrund (Obří důl) – die schönste, aber auch härteste Route auf die Schneekoppe. Wer sich den Aufstieg sparen möchte, nimmt die Kabinenseilbahn ab Pec pod Sněžkou.
Der Pantschefall ist der höchste Wasserfall Tschechiens und der Elbgrund eines der schönsten Täler des Gebirges. Mit 148 m ist der Pantschefall der höchste Wasserfall des Landes; er stürzt von der Pantschewiese (Pančavská louka) hinab in den Elbgrund. In der Nähe des Wasserfalls liegt der Aussichtspunkt Ambrožova vyhlídka mit Panoramablick über den Elbgrund, die Ziegenrücken (Kozí hřbety), den Kotel und die Lysá hora. Ein Klassiker ist die beliebte 17-km-Runde von Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) zum Berg Kotel, vorbei am Pantschefall, weiter über die Elbfallbaude (Labská bouda) zur Quelle der Elbe (Labe) und zurück über den Elbfall (Labský vodopád) und den Elbgrund – einer der meistbegangenen Wege im gesamten Riesengebirge.
Der bekannteste Wasserfall des Landes liegt nur einen Kilometer von der Stadt Harrachov entfernt. Der Mummelfall an der Mumlava liegt etwa 1 km oberhalb von Harrachov und ist über einen blau markierten Weg erreichbar. Der Weg ist leicht und eignet sich für einen Familienausflug mit Kindern – der sanfte blaue Weg zum Wasserfall führt am Museum Šindelka mit seiner Forst- und Jagdausstellung und am Restaurant Mumlavská bouda vorbei. Der Ort hat auch ein Stück Filmgeschichte: Eine Szene aus dem Film „Šeříková Ilza“ (englischer Titel „Wedding Trip to Ilza“) mit Libuše Šafránková und Josef Abrahám wurde hier am Wasserfall gedreht.
Das Symbol der Böhmischen Schweiz und der größte natürliche Felsbogen Europas, wenige Kilometer vom Dorf Hřensko entfernt. Das Prebischtor, Wahrzeichen des Nationalparks Böhmische Schweiz, liegt in Nordböhmen bei Hřensko – mit einer 16 m hohen Öffnung, einer Spannweite von 26,5 m an der Basis und einer 8 m breiten Brücke ist es die größte natürliche Felsbrücke Europas. Auf den Bogen selbst darf man nicht mehr steigen: Die vielen Besuche verursachten verstärkte Erosion der oberen Partien und Schäden am Bogen, deshalb wurde das Betreten der Brücke für Touristen bereits 1982 verboten. Gleich daneben steht ein historisches Gasthaus – italienische Handwerker errichteten das weitläufige Schlösschen Falkennest (Sokolí hnízdo), dessen berühmtes Restaurant seit mehr als 150 Jahren Touristen anzieht. Von Hřensko gelangen Sie entlang der roten Wandermarkierung in etwa einer Stunde dorthin.
Zwei Felsschluchten an der Kamnitz (Kamenice), durch die Kahnfahrten führen – nach dem Prebischtor die zweitbeliebteste Attraktion des Parks. Sie können flussabwärts oder flussaufwärts fahren; die Edmundsklamm (auch Stille Klamm, Tichá soutěska) ist 960 Meter lang, die Wilde Klamm 450 Meter. Die Kahnfahrt durch die Stille Klamm dauert 20 Minuten, durch die Wilde Klamm 15 Minuten, und der Fährmann erzählt unterwegs von der Geschichte der Schluchten und der umliegenden Felsformationen. Die Wilde Klamm ist in der Saison frei zugänglich, die Edmundsklamm dagegen nur mit Führung in Gruppen: Zutritt ausschließlich geführt, in Gruppen bis 25 Personen, Abfahrt stündlich von 10:00 bis 17:00 Uhr. Tickets gibt es nur vor Ort im Informationszentrum Hřensko am Tag Ihres Besuchs.
Die drei Parks bieten jeweils ein völlig anderes Erlebnis: Der Böhmerwald steht für die Stille von Hochmooren und Gletscherseen, das Riesengebirge für raue alpine Landschaft und den höchsten Punkt des Landes, die Böhmische Schweiz für dramatische Sandsteinlandschaften samt Kahnfahrten. Prüfen Sie bei der Planung die aktuellen Wegsperrungen (manche Routen werden nach Bränden oder Stürmen zeitweise gesperrt) und nehmen Sie festes Schuhwerk mit – fast überall sind Sie stundenlang über Felsen und Wurzeln unterwegs.
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