Polarlichter sind über Tschechien selten, aber längst keine Jahrhundertsensation mehr: Am 19. Januar 2026 waren sie kurzzeitig sogar aus größeren Städten zu sehen, zuletzt zeigten sie sich schwach am 10. Oktober 2026. Nötig ist ein starker geomagnetischer Sturm. Das Astronomische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften nennt als Schwelle einen Kp-Index von mindestens 7, ideal ist 8. Der Sonnenzyklus hat sein Maximum im Oktober 2024 überschritten, die Chancen bleiben aber auch 2026 und 2027 real. Around Prague hat Daten und Schwellenwerte am 2. November 2026 beim GFZ Potsdam, bei der US-Behörde NOAA, dem belgischen Sonnenforschungszentrum SIDC und der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft geprüft.
Eine Reise lässt sich darauf nicht planen, denn verlässliche Vorhersagen reichen nur 30 bis 90 Minuten voraus. Sind Sie aber ohnehin in Prag oder Böhmen und ein Sturm kündigt sich an, lohnt sich die Fahrt aufs Land. Hier lesen Sie, welche Werte zählen, wohin Sie fahren und wie Ihnen ein Foto mit dem Handy gelingt.
| Datum | Höchster Kp (GFZ) | NOAA-Stufe | Was zu sehen war |
|---|---|---|---|
| 5. November 2023 | 7+ | G3 | Rotes Polarlicht, fotografiert unter anderem bei Znaim (Znojmo) und in Trautenau (Trutnov), am hellsten gegen 18:15 Uhr |
| 10./11. Mai 2024 | 9 | G5 | Extremer Sturm, laut Wetterdienst ČHMÚ das stärkste Polarlicht seit 2003 |
| 10./11. Oktober 2024 | 9− | G4 | Hell, in mehreren Wellen mit bloßem Auge sichtbar |
| 1. Januar 2025 | 8 | G4 | Vielerorts von Wolken verdeckt |
| 11./12. November 2025 | 9− | G4 | Überwiegend rot, auch mit bloßem Auge sichtbar |
| 19./20. Januar 2026 | 9− | G4 | Sehr hell und bewegt, kurzzeitig auch aus größeren Städten sichtbar |
| 10./11. Oktober 2026 | 7+ | G3 | Schwach, aber ab der Dämmerung mit bloßem Auge sichtbar, etwa bei Ústí nad Labem (Aussig) |
Das Beobachtungsarchiv Optické úkazy v atmosféře führt für 2026 bis Mitte Oktober zwölf Nächte mit Polarlicht aus Tschechien und der Slowakei. Die meisten davon waren schwach und nur auf Fotos zu erkennen. Die Tabelle zeigt deshalb nur die bekanntesten Ereignisse.
Der Kp-Index beschreibt in Dreistundenwerten, wie stark das Erdmagnetfeld gestört ist. Er reicht von 0 bis 9 und stammt vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam, das dafür Daten von 13 Observatorien auswertet. Die US-Behörde NOAA ordnet ihm Sturmstufen zu:
Wie schnell es gehen kann, zeigte der 19. Januar 2026. Laut Tschechischer Astronomischer Gesellschaft kam der Kp-Index am Abend zunächst kaum über 3, selbst Fachleute blieben vorsichtig. Gegen 20 Uhr färbte sich dann der Nordhorizont rot. Die stärkste Phase dauerte nicht lange, für die Fahrt ins Dunkle blieb kaum Zeit.
Erwarten Sie keine grünen Vorhänge wie in Norwegen. Typisch sind laut Tschechischer Astronomischer Gesellschaft rote Schleier mit einem grünen Saum am Horizont. Beide Farben stammen von Sauerstoff: Das Grün entsteht bis in rund 120 km Höhe, das Rot darüber. Bei den meisten Ereignissen sehen Sie von Mitteleuropa aus den hohen, roten Teil eines Polarlichts, das weit im Norden steht.
Die Astronomen aus Opava warnen vor zu großen Erwartungen: Meist ist das Polarlicht hier schwach und nur auf Fotos deutlich. Die Handykamera sieht mehr als das Auge. Wenn der Himmel im Norden irgendwie rosa wirkt, machen Sie also eine Aufnahme im Nachtmodus. Bei starken Stürmen wie im November 2025 und im Januar 2026 ging es aber auch ohne Kamera.
Sie brauchen Dunkelheit und freie Sicht nach Norden. In Prag selbst stört das Stadtlicht. Fahren Sie aus der Stadt hinaus auf eine Anhöhe ohne Laternen. Vier Ziele bieten sich an, die offiziellen Gebiete heißen auf Tschechisch oblast tmavé oblohy, auf Deutsch sagt man Sternenpark.
| Ziel | Anfahrt, rund | Was es dort gibt |
|---|---|---|
| Sternenpark Isergebirge (Jizerská oblast tmavé oblohy) | Ab Prag 130 km, knapp 2 Stunden. Ab Dresden 190 km, etwa 2,5 Stunden | Seit 2009, knapp 75 km², tschechisch-polnisch und das erste Gebiet dieser Art weltweit über eine Grenze hinweg. Die tschechische Seite reicht von Jizerka (Klein Iser) bis zum Smrk (Tafelfichte) |
| Sternenpark Manětín | Ab Prag 110 km, etwa 1,5 Stunden. Ab Nürnberg 215 km, etwa 2,5 Stunden | Seit 2014, 346 km² im dünn besiedelten Norden der Region Pilsen |
| Brdy | Ab Prag 90 km, etwa 1,5 Stunden | Kein Sternenpark, aber von Astronomen vermessen. Empfohlen werden die waldfreien Flächen um Míšov und Teslíny. Der Lichtschein von Prag und Pilsen ist noch spürbar |
| Sternenpark Beskiden | Ab Prag 400 km, mehr als 4 Stunden | Seit 2013, rund 300 km², tschechisch-slowakisch, Zentrum bei Staré Hamry (Althammer). Sinnvoll, wenn Sie ohnehin in Mähren sind |
Die Fahrzeiten sind Schätzungen aus einem Routenplaner, im Winter dauert es länger. Prüfen Sie vorher, ob die Zufahrt geräumt ist, ziehen Sie sich wärmer an, als Sie für nötig halten, und halten Sie nicht auf dem Seitenstreifen. Wer mit dem eigenen Auto kommt, findet die Regeln zu Winterreifen und zur Vignette in unseren Ratgebern. Weitere Ideen für die Gegend stehen in den Tagesausflügen ab Prag.
Ja, bei starken geomagnetischen Stürmen. Seit 2023 waren sie mehrmals auch mit bloßem Auge zu sehen, etwa im Mai 2024, im November 2025 und im Januar 2026.
Das Astronomische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften nennt mindestens 7, optimal 8. Das entspricht den NOAA-Stufen G3 und G4.
Nur bei sehr starken Stürmen und schwach. Am 19. Januar 2026 meldete der Wetterdienst ČHMÚ, das Polarlicht sei kurzzeitig auch aus größeren Städten sichtbar. Besser fahren Sie an einen dunklen Ort mit freiem Nordhorizont.
Die Kamera sammelt bei langer Belichtung mehr Licht, und das menschliche Auge erkennt das schwache Rot im Dunkeln schlecht.
Ja. Das Maximum des Sonnenzyklus lag im Oktober 2024, doch das SIDC erwartet für die nächsten ein bis zwei Jahre weiterhin Phasen mit stark erhöhter Aktivität. Auch die Tschechische Astronomische Gesellschaft verweist darauf, dass besonders starke Ereignisse oft in der Abklingphase eines Zyklus auftreten.
Nein. Tschechien ist dafür zu weit im Süden, und der Vorlauf ist zu kurz. Sehen Sie Polarlichter als Glücksfall bei einer Reise, die sich auch sonst lohnt.
Quellen: GFZ Potsdam: Kp-Index, NOAA: Skalen für Weltraumwetter, NOAA: Polarlichtvorhersage, NOAA: G4 im November 2025, SIDC: Sonnenzyklus 25, Tschechische Astronomische Gesellschaft: Polarlicht vom Januar 2026, Optické úkazy v atmosféře: Polarlichter aus Tschechien, Astrofyzikální proGResy, Schlesische Universität Opava, Novinky.cz: Pavel Suchan zum Kp-Wert, Novinky.cz zum 5. November 2023, ČT24 zum Januar 2026, ČT24 zum Mai 2024, ČT24 zum Oktober 2024, Počasí a Radar zum 1. Januar 2025, Počasí a Radar zum November 2025, Kudy z nudy: Sternenpark Isergebirge, Novinky.cz: Sternenpark Manětín, ČT24: Sternenpark Beskiden, Tschechische Astronomische Gesellschaft: Messungen in den Brdy. Fahrzeiten: eigene Schätzung mit dem Routenplaner OSRM. Stand: 2. November 2026.
Siehe auch: Geminiden 2026: Sternschnuppen in Tschechien, Tagesausflüge ab Prag, Nationalparks in Tschechien, Prag im Winter.
Foto: Victor Lucas / Pexels.
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