Die Einwohner von Ostrava (Ostrau) protestieren gegen die Entscheidung, die Produktion des Biers Ostravar aus der Stadt abzuziehen und in Prag zu brauen. In einer Petition fordern sie den Eigentümer der Brauerei auf, seinen Plan zu überdenken. In den sozialen Netzwerken rufen bereits Nutzer dazu auf, Ostravar einfach nicht mehr zu trinken, sollte es künftig in der Hauptstadt gebraut werden.
Der Initiator der Petition, der Ostrauer Lokalpatriot Dušan Mareček, erinnert daran, dass die Brauerei im Jahr 1897 gegründet wurde und ihre Geschichte damit fast 130 Jahre mit der Stadt verbunden ist. Ostravar sei „ein Stück Ostrauer Geschichte, der lokalen Identität und des Lebens mehrerer Generationen“.
Mareček räumt ein, dass die Brauwirtschaft mit steigenden Kosten und sich wandelnden Marktbedingungen konfrontiert ist. Eine so schwerwiegende Entscheidung dürfe seiner Ansicht nach aber nicht getroffen werden, ohne andere Optionen zu prüfen. Das Ende des Brauens in Ostrava bedeute nicht nur den Verlust einer langen Tradition, sondern auch einen Schlag für die Beschäftigten und eine weitere Schwächung des industriellen Erbes der Region.
Andere Unterzeichner betonen, dass Ostravar für alle untrennbar mit Ostrava verbunden sei und nicht mit einer Marke, die aus einer anderen Stadt gesteuert wird. Es fallen auch scharfe Worte: „Dieser Prager Zentralismus nervt allmählich. Man kann nicht alles von Prag aus entscheiden, ihr zerstört die Geschichte und die Traditionen der Stadt.“
Die Einwohner rufen die Ostrauer Kneipen dazu auf, anstelle des „Prager Ostravar“ lieber Radegast aus Nošovice auszuschenken. Außerdem bitten sie den Eigentümer der Brauerei, noch einmal zu erwägen, die Produktion in der mährisch-schlesischen Hauptstadt zu belassen.
Zudem wenden sie sich an die Stadt und den Mährisch-Schlesischen Kreis mit der Bitte, Gespräche mit dem Eigentümer aufzunehmen. Ihrer Meinung nach sollte geprüft werden, ob sich nicht ein lokaler oder anderer Investor für die Brauerei interessiert, der die Ostrauer Brautradition fortführen würde. Eine eigene Frage ist das Schicksal des Brauereigeländes im Stadtzentrum mit seinen historischen Gebäuden.
Martin Čermák, Direktor für Tschechien und die Slowakei bei Pivovary Staropramen (die wie Ostravar zur Gruppe Molson Coors gehört), nannte die Entscheidung eine der schwersten der vergangenen Jahre. Dem Unternehmen sei sehr wohl bewusst, dass Ostravar „weit mehr als nur eine Brauerei“ sei: Über Generationen hinweg sei das Bier Teil von Ostrava, des Lebens der Beschäftigten und der gesamten Gemeinschaft gewesen.
Die Entscheidung über die Konsolidierung der Produktion sei nach sorgfältiger Abwägung und einer umfassenden Analyse von Ergebnissen und Kosten getroffen worden. Das wichtigste Ziel sei es, so Čermák, die langfristige Stabilität des Geschäfts, die Effizienz des Betriebs und die Wettbewerbsfähigkeit der Bierproduktion in Tschechien für die Zukunft zu sichern.
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Around Prague nach Berichten von novinky.cz