
Abseits von Prager Burg (Pražský hrad) und Karlsbrücke (Karlův most) verbirgt die tschechische Hauptstadt Dutzende winziger Themenmuseen, zu denen große Reisegruppen nur selten finden. Diese Liste ist für alle, die das „Postkarten-Prag“ schon gesehen haben und etwas Persönlicheres und Ausgefalleneres suchen: Steigen Sie in ein unterirdisches Alchemistenlabor hinab, betrachten Sie ein Gemälde unter dem Mikroskop oder verbringen Sie eine Stunde in einem echten Atombunker. Alle diese Orte sind überschaubar, ein Besuch dauert 30–90 Minuten und passt bequem zwischen Mittagessen und Abendspaziergang.
Das Haus in der Haštalská-Straße in der Altstadt steht an einer Stelle, an der der Legende nach unter Kaiser Rudolf II. Alchemisten arbeiteten. Es ist das ungewöhnlichste kleine Museum der Stadt: eine 30-minütige Führung durch echte unterirdische Alchemistenwerkstätten und Gänge, die nach dem Prager Hochwasser von 2002 wiederentdeckt wurden. Ein Ticket mit Führung kostet rund 200 CZK – die Tour ist kurz, aber stimmungsvoll und ideal für alle, die sich für Prags mystische Geschichte interessieren.
Eine weitere „Alchemie“-Adresse, diesmal auf der Kleinseite. Es ist eines der geheimnisvollsten Museen Prags – das Haus, in dem der Alchemist Kelley lebte und arbeitete, der Mann, der Kaiser Rudolf II. davon überzeugte, er könne unedle Metalle in Gold verwandeln. Im Inneren finden Sie eine der ältesten Treppen der Stadt sowie Laboratorien, ein Arbeitszimmer und eine Bibliothek, eingerichtet, als hätte der Alchemist den Raum gerade erst verlassen. Das Museum ist täglich von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, überschaubar und ideal für einen kurzen, aber ereignisreichen Besuch.
Umstritten, aber wirklich einzigartig auf der Weltkarte der seltsamsten Museen. Es ist eines der ungewöhnlichsten Museen der Stadt und widmet sich Geräten, Kleidung und Gegenständen rund um die menschliche Sexualität im Lauf der Geschichte; die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen und umfasst Hunderte Objekte. Zusammengetragen hat die Sammlung der Sammler Oriano Bizzocchi, der jahrzehntelang in Antiquitätenläden auf der ganzen Welt nach Stücken suchte. Das Museum liegt nur wenige Schritte vom Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) entfernt, ist definitiv nichts für Kinder, gehört aber zu den meistdiskutierten Prager Kuriositäten unter ausländischen Reisenden.
Direkt neben dem Kloster Strahov, ganz in der Nähe der Prager Burg, versteckt sich ein Museum der Mikrominiaturen. Es zeigt eine der ungewöhnlichsten Kunstformen in Prag: eine Sammlung von Mikrominiaturen, so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind – geschaffen auf einem menschlichen Haar oder einem Mückenbein und dafür gedacht, durch ein Mikroskop oder eine Lupe betrachtet zu werden. 20–30 Minuten reichen, um alles zu sehen, und der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang über den Hradschin verbinden.
Unter einem Park auf dem Hügel Svatého Kříže in Žižkov liegt ein echter Atombunker aus dem Kalten Krieg. Die unterirdische Anlage wurde zwischen 1950 und 1955 gebaut und sollte im Fall eines Atomkriegs rund 2.500 Menschen Schutz bieten. Heute beherbergt sie ein Museum des Kalten Krieges, eine 11 Meter hohe Kletterwand und eine originelle Bar mit Terrasse direkt am Bunkereingang. Besichtigt wird nur mit Führung und nach vorheriger Reservierung, auf mehreren Routen unterschiedlicher Länge und Tiefe.
Ein Comicmuseum, das einem einzigen Künstler gewidmet ist – Kája Saudek, dem „König des tschechischen Comics“ –, über dem Club Batalion nahe dem Wenzelsplatz (Václavské náměstí). Das Museum liegt mitten im Zentrum von Prag in der Straße 28. října über dem Club Batalion, der selbst mit Saudeks Zeichnungen im Stil des Amerikas der 1950er- und 1960er-Jahre geschmückt ist. Die Ausstellung umfasst rund hundert Werke aus dem Schaffen des Künstlers von den 1950er-Jahren bis 2004, der Schwerpunkt liegt auf seiner produktivsten Phase. Tickets kosten 80 bis 120 CZK, geöffnet ist täglich.
Ein interaktives Museum der optischen Täuschungen nur wenige Schritte vom Wenzelsplatz entfernt – toll für Familien und alle, die ungewöhnliche Fotos lieben. Das interaktive Museum zeigt in 17 Räumen mehr als 90 Exponate rund um optische Täuschungen und Wahrnehmung. Es liegt in der Jindřišská 20, Praha 1, Neustadt, nur wenige Gehminuten vom Wenzelsplatz, und ist täglich geöffnet, auch an Feiertagen.
Eines der wenigen Gebäude der Welt, die vollständig im kubistischen Stil errichtet wurden, steht nur ein paar Schritte vom Altstädter Ring entfernt. Das „Haus zur Schwarzen Muttergottes“, benannt nach der Statuette an seiner Fassade, ist ein Wahrzeichen der kubistischen Architektur, und das wichtigste Exponat ist hier das Gebäude selbst, 1911 nach einem Entwurf des Architekten Josef Gočár fertiggestellt. Im Inneren sehen Sie Gemälde, Geschirr und Alltagsgegenstände im kubistischen Stil; besonders eindrucksvoll ist die Wendeltreppe des Hauses. Im Obergeschoss lädt das gemütliche Grand Café Orient im selben Stil ein – eine seltene Gelegenheit, den Kubismus nicht nur zu sehen, sondern darin einen Kaffee zu trinken.
Alle acht Orte haben eines gemeinsam: Sie erzählen Prags Geschichte aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel – Mystik, Geschichte der Erotik, Comickultur, Kalter Krieg oder architektonische Experimente. Die meisten sind überschaubar, günstig und lassen sich gut miteinander oder mit einem Spaziergang durch benachbarte Viertel wie die Kleinseite, die Altstadt oder Žižkov kombinieren.
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