
Der öffentliche Nahverkehr in Prag gehört zu den bequemsten und pünktlichsten in Europa: Metro, Straßenbahnen, Busse, Fähren und sogar die Standseilbahn fahren alle mit einem einzigen PID-Ticket. Zonen, Tarife und App zu verstehen ist leichter, als es klingt. Dieser Ratgeber führt Sie durch alles – vom Kauf des ersten Tickets bis zur nächtlichen Heimfahrt.
Der gesamte Prager Nahverkehr ist im System PID (Pražská integrovaná doprava) zusammengefasst – ein Ticket gilt für Metro, Straßenbahnen, Busse und sogar die städtischen Fähren. Solange Ihr Ticket gültig ist, können Sie beliebig oft umsteigen. Hier finden Sie alles, was Neuankömmlinge wissen müssen, um sich vom ersten Tag an sicher durch die Stadt zu bewegen.
Die Prager Metro ist der schnellste Weg durch die Stadt, mit nur drei Linien: A (grün), B (gelb) und C (rot). Sie kreuzen sich im Zentrum an drei Knotenstationen – Muzeum, Můstek und Florenc –, an denen Sie bequem umsteigen. Die Metro fährt etwa von 5:00 Uhr bis Mitternacht, in der Hauptverkehrszeit alle 2–3 Minuten, sodass Sie kaum auf einen Fahrplan schauen müssen. Achten Sie einfach auf den Namen der Endstation auf dem Bahnsteigschild – er zeigt die Fahrtrichtung an.
Straßenbahnen sind in Prag keine Touristenattraktion, sondern das eigentliche Arbeitspferd der Stadt: Ihr dichtes Netz erreicht auch Gebiete, die die Metro nicht abdeckt. Die Tageslinien sind etwa von 1 bis 26 nummeriert, und „Hauptlinien“ wie 9, 17 und 22 fahren besonders häufig. An jeder Haltestelle hängt ein Schild mit Fahrplan und Linienplan, und neuere Straßenbahnen haben digitale Anzeigen und Haltestellenansagen. Tipp: Sie können an jeder Tür einsteigen, und am einfachsten kaufen Sie Ihr Ticket vorab in der App.
Busse fahren dort, wo es keine Schienen gibt – vor allem in den Wohnvierteln am Stadtrand und in den Vororten. Im historischen Zentrum sind sie wegen der engen Straßen kaum zu finden. Die meisten Stadtbusse haben direkt an der Tür ein Terminal für kontaktloses Bezahlen, sodass Sie beim Einsteigen einfach Ihre Karte auflegen können. Achten Sie an der Haltestelle auf die Zonennummer: Manche Vorortlinien führen über die Prager Stadtgrenze hinaus, dann brauchen Sie ein Ticket für mehr Zonen.
Wenn die Metro schließt, übernehmen Nachtstraßenbahnen (Linien 91–99) und Nachtbusse. Sie fahren bis etwa 4:30 Uhr, meist alle 30 Minuten. Der wichtigste nächtliche Umsteigeknoten ist die Haltestelle Lazarská im Zentrum, an der sich fast alle Nachtstraßenbahnen treffen. Normale PID-Tickets gelten auch nachts – ohne Zuschlag. Schauen Sie vor dem Losgehen in die App, denn nachts sind die Abstände zwischen den Fahrten lang, und einer abfahrenden Straßenbahn hinterherzurennen lohnt sich nicht.
Für Einzelfahrten gibt es zwei Grundtickets: ein 30-Minuten-Kurzzeitticket für eine schnelle direkte Fahrt ohne Umsteigen und ein 90-Minuten-Ticket für längere Fahrten durch die Stadt mit Umsteigen. Außerdem gibt es 24- und 72-Stunden-Tickets, die sich für Touristen lohnen, die viel unterwegs sind. Die Preise hängen vom Kaufweg ab: am günstigsten in der App, teurer auf Papier oder per SMS. Prüfen Sie die aktuellen Tarife immer auf der offiziellen Website pid.cz, da sie sich von Zeit zu Zeit ändern.
Die offizielle App PID Lítačka (für Android und iOS) ist derzeit der günstigste und bequemste Weg, Tickets zu kaufen – dieselben Tarife kosten hier spürbar weniger als Papier- oder SMS-Tickets. Sie können damit auch Routen planen, Zeitkarten kaufen (Monat, Quartal, Jahr) und mit Karte, Google Pay oder Apple Pay bezahlen. Tickets werden auf dem Handy sofort aktiviert – Sie müssen nichts entwerten. Laden Sie die App am besten gleich am ersten Tag herunter und richten Sie ein Konto ein. Details unter pidlitacka.cz.
Wenn Sie die App gerade nicht zur Hand haben, gibt es viele andere Möglichkeiten. Gelbe Touchscreen-Automaten stehen an jeder Metrostation; sie haben ein englischsprachiges Menü und nehmen Münzen, Scheine und kontaktlose Karten an. Straßenbahnen und viele Busse haben ein Terminal an Bord – halten Sie beim Einsteigen einfach Ihre Bankkarte daran, und Sie haben ein gültiges Ticket. Sie können auch eine SMS an 90206 schicken (funktioniert mit tschechischen SIM-Karten); das ist allerdings die teuerste Option, und das Ticket kommt mit ein bis zwei Minuten Verzögerung – schicken Sie die SMS also, bevor Sie den Metroeingang erreichen.
Ein Papierticket muss einmal entwertet werden – im gelben Entwerter am Metroeingang (bei der Rolltreppe) oder direkt beim Einsteigen in Straßenbahn oder Bus. Erst dann beginnt die Gültigkeit. Tickets aus der App oder vom Bordterminal gelten sofort und müssen nicht entwertet werden. Kontrolleure in Zivil prüfen ohne Vorwarnung, und die Strafe für Fahren ohne gültiges Ticket beträgt 2.000 CZK oder 1.200 CZK bei Zahlung vor Ort (Tarife der DPP, Stand 28. Oktober 2026). Halten Sie während der ganzen Fahrt ein gültiges Ticket bereit.
Die Stadt und ihr Umland sind in Tarifzonen eingeteilt. Fast das gesamte touristische und Wohnzentrum liegt in den Prager Zonen P, 0 und B – ein normales Stadtticket deckt alle Fahrten innerhalb dieser Grenzen ab. Die Vororte in der Mittelböhmischen Region sind in Ringen nummeriert, die sich von Prag nach außen ziehen (Zone 1, 2 und so weiter). Wenn Sie aus der Stadt hinausfahren – etwa nach Karlstein (Karlštejn) oder über die Grenzzone am Flughafen hinaus –, brauchen Sie ein Ticket für mehr Zonen. Beim Kauf in der App werden die Zonen automatisch anhand Ihrer Route gewählt.
Nur wenige Neuankömmlinge wissen, dass städtische Fähren (Linien mit dem Buchstaben P) als Teil desselben PID-Systems die Moldau (Vltava) überqueren – ein normales Ticket gilt auch hier, Umsteigen inklusive. Die Linien P1 und P2 fahren ganzjährig, die übrigen saisonal, etwa von April bis Oktober. Das ist nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern auch eine kleine Flussfahrt ohne Aufpreis. Eine gute Wahl, wenn Sie nahe am Wasser wohnen oder einfach einmal Abwechslung vom üblichen Arbeitsweg möchten.
Wenn Sie Ihre Fahrt mit Sightseeing verbinden möchten, steigen Sie in die Straßenbahn 22. Ihre Strecke führt durch die Kleinseite (Malá Strana) und hinauf zur Prager Burg (Pražský hrad), vorbei an Postkartenansichten – deshalb ist sie bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Zum Preis eines normalen Tickets bekommen Sie eine Panoramafahrt, ohne für einen Sightseeing-Bus extra zu zahlen. Fahren Sie außerhalb der Stoßzeiten, wenn Sie einen Fensterplatz möchten. Bedenken Sie, dass die Bahnen auf dieser beliebten Strecke voll werden können – achten Sie auf Ihre Wertsachen.
Der Prager Flughafen Václav Havel ist nicht direkt an die Metro angebunden, in die Stadt kommen Sie aber leicht. Der Trolleybus 59 (er ersetzte im März 2024 den Bus 119) fährt nach Nádraží Veleslavín, zur Endstation der Metrolinie A, nur wenige Stationen vom Zentrum entfernt; die Fahrt ist mit einem normalen PID-Ticket abgedeckt. Alternativ fährt der Airport Express (AE) in etwa 45 Minuten direkt nach Praha hlavní nádraží (Hauptbahnhof), PID-Tickets gelten dort aber nicht: Er hat einen eigenen Tarif von 200 CZK. Wenn Sie mit einem großen Koffer reisen, beachten Sie, dass übergroßes Gepäck manchmal ein eigenes Ticket braucht – die Regeln finden Sie auf der Website des Betreibers.
Fazit: Der Prager Nahverkehr ist logischer, als er auf den ersten Blick wirkt. Laden Sie die App PID Lítačka herunter, merken Sie sich die zwei Grundtickets (30 und 90 Minuten) und denken Sie bei Papiertickets an den gelben Entwerter – dann ist die ganze Stadt nur eine Fahrt entfernt. Prüfen Sie aktuelle Preise und Fahrpläne immer auf den offiziellen Websites pid.cz und pidlitacka.cz, da die Tarife regelmäßig angepasst werden – und mit einem gültigen Ticket in der Tasche bewegen Sie sich durch Prag wie ein Einheimischer.
Foto: Tiia Monto – Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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