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Friedhöfe in Prag: 6 Nekropolen voller Geschichte und Kunst

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In Prag sind Friedhöfe oft spannender als Museen: Hier bewundern Sie Skulpturen von Myslbek und Bílek, erfahren von Pestepidemien und Kriegen, tauchen in die Geschichte der jüdischen Gemeinde Prags ein und finden die Gräber von Kafka, Dvořák oder Gott. Dieser Ratgeber ist für alle, die stille Spaziergänge zwischen Grabsteinen nicht scheuen und Prag aus einem unerwarteten Blickwinkel sehen möchten – als Freilichtmuseum, in dem jeder Stein ein Exponat ist. Alle hier genannten Orte sind öffentlich zugänglich (manche verlangen Eintritt oder angemessene Kleidung), daher ist dies eine völlig legitime und respektvolle Form des Tourismus – sofern Sie ein Mindestmaß an Taktgefühl wahren.

Wyschehrader Friedhof und Slavín (Vyšehradský hřbitov a Slavín), Prag 2

Der Eingang zum Friedhof liegt links von der Basilika St. Peter und Paul auf dem Wyschehrad (Vyšehrad). Adresse: K Rotundě 1, Vyšehrad, 128 00 Prag 2. Der Wyschehrader Friedhof neben der Kirche St. Peter und Paul ist einer der bedeutendsten Friedhöfe Prags und die letzte Ruhestätte von mehr als 600 bekannten Persönlichkeiten – Schriftstellern, Wissenschaftlern, Dichtern, Künstlern, Komponisten, Schauspielern, Ärzten und Politikern. Besucher können hier eine einzigartige Galerie der Grabplastik bewundern, mit Werken namhafter Künstler wie J. V. Myslbek, F. Bílek und B. Kafka. Im Zentrum der Anlage steht das monumentale Grabmal Slavín, die gemeinsame Ruhestätte der „Großen“ der Nation. Der Friedhof ist ganzjährig täglich geöffnet, die Öffnungszeiten variieren je nach Saison.

Olšaner Friedhöfe (Olšanské hřbitovy), Prag 3

Adresse: Vinohradská 1835/153, Žižkov, 130 00 Prag 3. Mit mehr als 50 Hektar bilden die Olšaner Friedhöfe den zentralen und größten Friedhofskomplex Prags und den größten Friedhof Tschechiens. Das weitläufige, rechteckige Gelände wird von der Straße Jana Želivského in zwei Teile geteilt, die zwölf einzelne Friedhöfe umfassen. Hier finden Sie die Gräber von Karel Jaromír Erben, Voskovec und Werich, Josef Lada und Josef Jungmann, außerdem Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg; gleich nebenan liegt der Neue Jüdische Friedhof, auf dem Franz Kafka begraben ist. Ein Lehrpfad mit Infotafeln führt über das Gelände. Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison: Januar–Februar 8:00–17:00, März–April 8:00–18:00, Mai–September 8:00–19:00, Oktober 8:00–18:00, November–Dezember 8:00–17:00 Uhr.

Alter Jüdischer Friedhof (Starý židovský hřbitov), Josefstadt (Josefov), Prag 1

Adresse: Široká 3, 110 01 Prag 1 – Altstadt (Staré Město)/Josefstadt. Der Alte Jüdische Friedhof ist einer der ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Europas, genutzt von 1439 bis 1787, und zählt heute mehr als 12.000 Grabsteine. Aus Platzmangel wurde in Schichten bestattet, was zu einer erstaunlichen Dichte an Steinen führte – ein wahres Labyrinth aus schiefen Stelen mit hebräischen Inschriften. Der Friedhof ist im Kombiticket des Jüdischen Museums enthalten, zusammen mit sechs Synagogen. Männer müssen beim Betreten des Alten Jüdischen Friedhofs und der aktiven Synagogen den Kopf bedecken; Kippot werden am Eingang ausgegeben.

Neuer Jüdischer Friedhof (Nový židovský hřbitov), Žižkov, Prag 3

Adresse: Izraelská 1, 130 00 Prag 3. Der Neue Jüdische Friedhof liegt direkt an der Metrostation „Želivského“ (Linie A), erstreckt sich auf 74.037 m² zwischen den Straßen Želivského und Nad vodovodem und wurde für rund 100.000 Gräber angelegt. Hauptanziehungspunkt für Besucher ist das schlichte Grab von Franz Kafka, doch der Friedhof ist auch als Jugendstil-Ensemble vom Anfang des 20. Jahrhunderts bemerkenswert. Er ist der einzige Prager Friedhof, auf dem die Jüdische Gemeinde Prag bis heute bestattet. Öffnungszeiten: April–September So–Do 9:00–17:00, Fr 9:00–14:00, Sa geschlossen; Oktober–März So–Do 9:00–16:00, Fr 9:00–14:00, Sa geschlossen.

Friedhof Malvazinky (Hřbitov Malvazinky), Smíchov, Prag 5

Adresse: U Smíchovského hřbitova 444/1, Prag 5 – Malvazinky, 150 00. Dieser städtische Friedhof wurde 1876 angelegt, nachdem der alte Smíchover Friedhof am Arbesovo náměstí geschlossen worden war; heute umfasst er 7,58 Hektar, und mehr als 50.000 Menschen sind hier bestattet. Die Anlage wird von der neuromanischen Kirche St. Philipp und Jakob beherrscht. Zu den hier Beigesetzten zählen Präsident Antonín Novotný, der Schriftsteller Jakub Arbes, Ondřej Sekora, Egon Bondy, der Arzt Jan Janský, der Musiker Milan Hlavsa, der Sänger Karel Gott und die Sängerin Eva Pilarová. Malvazinky ist weit weniger touristisch als Olšany oder der Wyschehrad und ein ruhiger Ort für einen Spaziergang zwischen schlichten, aber eindrucksvollen Grabsteinen aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Friedhof Ďáblice (Ďáblický hřbitov), Střížkov, Prag 8

Adresse: Ďáblická 564/2a, Prag 8 – Střížkov, 182 00. Das Besondere an diesem Friedhof ist seine Architektur: Er ist der einzige kubistische Friedhof Tschechiens – und da die kubistische Architektur ein rein tschechisches Phänomen ist, auch der einzige seiner Art auf der Welt. Den Entwurf schuf der Architekt, Stadtplaner, Bühnenbildner und Künstler Vlastislav Hofman, der überall kubistische Formen einsetzte und dem Friedhof so einen ganz eigenen Charakter gab. Mit 29 Hektar ist er nach Olšany der zweitgrößte Friedhof Prags und wurde 2017 zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt. Achten Sie auf die kantigen Portale und die Umzäunung am Haupteingang – ein seltenes Beispiel für den „geometrischen“ Prager Kubismus in einer Friedhofslandschaft.

Jeder dieser Friedhöfe erzählt sein eigenes Kapitel der Prager Geschichte – von der nationalen Wiedergeburt auf dem Wyschehrad und den Tragödien der jüdischen Gemeinde in der Josefstadt und in Žižkov bis zu den architektonischen Experimenten in Ďáblice und dem stillen Vermächtnis bekannter Smíchover Persönlichkeiten in Malvazinky. Prüfen Sie bei der Planung die saisonalen Öffnungszeiten und halten Sie sich – besonders auf den jüdischen Friedhöfen – an Kleiderordnung und Verhaltensregeln: Dies sind keine Parks, sondern aktive Orte des Gedenkens, die Stille und Respekt verdienen.

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